42. Internationaler Jahreskongress der DGZI in Hamburg

„Qualitätsorientierte Implantologie – Wege zum Langzeiterfolg“
Deutsche Gesellschaft für Implantologie hält konsequent und erfolgreich Kurs

„Qualitätsorientierte Implantologie“ dies war nicht nur das Thema des 42. Jahreskongresses der ältesten europäischen implantologischen Fachgesellschaft in diesem Jahr, vielmehr ist es ein Konzept, dem sich die DGZI verschrieben hat. Besonders verdeutlicht konnte dies im Rahmen der Pressekonferenz am Freitag mittag werden, als Vorstandsmitglieder der DGZI sich den Fragen der zahlreich erschienen Journalistinnen und Journalisten stellten und das Konzept der DGZI erläuterten. Wie ein roter Faden zog sich das Motto auch durch den zweitägigen Kongress, an dessen Ende die DGZI Macher befriedigt feststellen konnten, dass die DGZI gut aufgestellt und für dieZukunft gewappnet ist. „Die DGZI ist ein schon bisschen anders!“, mit diesemzutreffenden Begrüßungswort wandte sich DGZI Präsident Professor Dr. Dr. Frank Palm an über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 42. Jahrestagung aus 18 Nationen, darunter auch Gruppen befreundeter Fachgesellschaften aus Japan und Arabien. DGZI-Vizepräsident Dr. Roland Hille konnte nicht ohne Stolz berichten, dass über vierzig Referentengewonnen werden konnten, jeder Beitrag zum wissenschaftlichen Programm wurde neu für die DGZI Jahrestagung erstellt.

Implantologie hinterfragt

Bereits der Auftakt des Kongresses überraschte – nicht die „üblichen 99%-igen Erfolg“, wie es ein Kongressteilnehmer formulierte, „sondern die Realität“. Mit Professor Dr. Jörg R. Strub (Freiburg) und Professor Dr. Thomas Weischer und dem Bonner Grundlagenforscher Professor Dr. Werner Götz (Koreferent Dr. Rolf Vollmer) schritten Referenten zum Mikrofon, die international zu den gefragtesten Rednern gehören, deren Tenor zur Implantologie aber durchaus kritische Untertöne aufwies. Wenn ein J.R. Strub die rhetorische Frage „Endo or implant“ stellt, ein Thomas Weischer bezweifelt, ob ein implantologischer Langzeiterfolg bei Tumorpatienten überhaupt möglich ist und ein Werner Götz und ein Rolf Vollmer auf Fehlerquellen bei der Implantatbettbohrung hinweisen, dann zeigt dies, dass es – ungeachtet der hohen Überlebensraten enossaler Implantate – auch Komplikationen und Fehlerquellen gibt, letztere betreffen Implantologen und Patienten zugleich.

Schier unglaublich der Erfahrungs- und Wissensreichtum aus dem der Ärztliche Direktor der Freiburger Zahnklinik schöpfen kann und in der Tat ist das war Professor Dr. Jörg Strub zeigte, das war nicht nur ganz hervorragend dokumentiert, sondern auch überaus gehaltvoll. Tipps für die tägliche Praxis des Breisgauer Hochschullehrers: In der Front so lange es geht, die Zähne erhalten, hier ist ein voraussagbares ästhetisches Ergebnis mit Implantaten überaus schwierig zu erzielen.

Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Unterschied – was die Überlebensrate betrifft – zwischen einer aufwändig durchgeführten Endo – (mit Mikroskop….) und einer Implantatbehandlung, die Entscheidungsfindung kann also nicht nur wissenschaftlich abgesichert erfolgten, sondern muss patientenindividuell erfolgen. In eine vermeintlich nicht alltägliche Problematik führte der Chef des Essener Implantatzentrums, doch riefen die Zahlen die Professor Weischer präsentierte beim Auditorium hervor; mit fast 10.000 Neuerkrankungen bei Männern und 3.500 bei Frauen sind Malignome in unserem Fachgebiet etwas, mit dem jede Kollegin, jeder Kollege täglich konfrontiert werden kann.

Faszinierend die von Weischer präsentierten Patientenfälle, die Lösungsmöglichkeiten für diese Patienten aufzeigten und doch belegten, dass nur individuelle Lösungen bei diesem bedauernswerten Patienten gut möglich sind. Insgesamt jedoch muss festgestellt werden, dass Implantate im bestrahlten Knochen eine geringere Erfolgsrate aufweisen; die Insertion sollte nicht unter 12 Monaten nach Abschluss der radiatio erfolgen, ferner sollte eine längere Einheilzeit gewählt werden und es sollten längeren Implantaten der Vorzug gegeben werden. Insgesamt weist bei Malignompatienten der eigene Zahn eine schlechtere Prognose als das Implantat auf.

„Bohren im Knochen, so das Referentenduo Götz und Vollmer, „muss immer mit Kühlung einhergehen!“. Schon seit Anfang der 80iger Jahr des vergangenen Jahrhunderts sind Studien bekannt, die über schädliche Hitzewirkungen bei Implantatbettbohrungen berichten, die zu Thermonekrosen führen können. Die Verwendung chirurgischer Bohrschablonen, welche den Zutritt der Kühlung erschwert, kann das Thermonekroserisiko wesentlich erhöhen. Soll mit geringer Umdrehungszahlen und hohem Drehmomentgearbeitet werden, dann sind Keramikbohrer eine Alternative. Es sollten stets Spiralbohrer (mit höherem Spanauswurf) Verwendung finden und eine kurze Bohrzeit gewählt werden.
Credo der drei namhaften Referenten: Das A und O ist eine gute Ausbildung, welche eine vernünftige Entscheidungsfindung ermöglicht (die auch mal GEGEN eine Implantat ausfallen kann) und die bei Insertion und Versorgung der künstlichen Zahnpfeiler mit Zahnersatz – gerade bei Grenzfällen und Risikopatienten – die Gefahr des Scheiterns minimiert.

Hier schlossen sich die Ausführungen von Dr. Daniel Ferrari, der über Minimierung der Patientenbelastung durch gezieltes OP Management sprach, in idealer Weise an:

Es gelang dem in Düsseldorf in eigener Praxis tätigen Implantologen darzustellen, wie erfreulich viele Möglichkeiten bestehen physische/ psychische und finanzielle Ängste und Beschwerden von Patienten in der Implantologie zu reduzieren.

Vor allem die Patientenfälle mit stark angulierten distalen Implantaten – um Augmentationen zu vermeiden – riefen beim Auditorium doch einiges Erstaunen hervor.

Nach dem Genuss des Referats von Dr. Albert Mehl, der Begriff Genuss ist wirklich zutreffend, wurde klar, wie weit gerade auf dem Gebiet der oralen Implantologie die Möglichkeiten digitaler Optionen geschritten sind. Der eidgenössische Referent begeisterte mit seinen Ausführungen zu Möglichkeiten von CAD/CAM in der Implantatversorgung. Mehl wies darauf hin, dass die Durchdringung von CAD/CAM-Techniken in den Praxen noch gering ist. Für Einzelzahnrekonstruktionen und kleine Brücken liefern Scans ausreichende Genauigkeit, bei ganzen Kiefern und größeren Rekonstruktionen sind die Genauigkeiten konventionellen Verfahren klar unterlegen. Die Gestaltung der Zahnaußenflächen, so Mehl, kann hingegen als gelöst betrachtet werden, hier sind vor allem automatisierte Funktionen hilfreich. Dynamische Okklusionsbetrachtungen sind digital in der Entwicklung, hier sind die größten Anstrengungen angezeigt.

Digitale Implantatanwendungen in Therapie und Planung rundeten die Ausführungen Mehlsab.

An die Ausführungen Mehls schloss sich in idealer Weise ergänzend Professor Dr. H. P.Weber (Boston) an, der über die digitale Prozesskette in der Implantatprothetik sprach. Der renommierte Hochschullehrer und „Urgestein“ des Internationalen Teams für Implantologie (ITI) war gerne dem Ruf der DGZI gefolgt und hatte sich von der Ostküste der USA nach Hamburg aufgemacht um ein wahres „Feuerwerk“ hervorragend dokumentierter Patientenfälle zu präsentieren. „Auf dem digitalen Weg sind wir momentan auf der Reise!“, so Weber, allerdings muss man anerkennen, dass die heute bereits verfügbaren digitalen Möglichkeiten eine Modifikation bestehender Therapieschemata erforderlich macht. Hier stehen vor allem Kriterien zur präoperativen Implantatselektion im Vordergrund. Die Darstellung des gesamten digitalen workflows rundeten die Ausführungen Webers ab.

Mit eher unerfreulichen Aspekten der Implantologie befassten sich Professor Dr. Dr. Kai-Olaf Henkel („Komplikationen und Misserfolge in der Implantologie“) und Professor Dr. Herbert Deppe. Der als „Lokalmatador“ vorgestellte Henkel (erleitet das Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg) wies in seinem Einführungswort auf die enorme Bedeutung der Aufklärung des Patienten hin, um dann auf das Vorgehendes Implantologen vor, während und nach der Insertion einzugehen. Viele praxisnahe Tipps waren Bestandteil der Ausführungen Henkels, sei es zum Einhalten von Mindestabständen zu Nachbarzähnen durch Anlegen von Raspartorien, sei es die perioperative Antibiotikaprophylaxe betreffend.

Henkel stellte zu Ende seiner Ausführungen klar: „Misserfolge gehören zur Implantation dazu –sind Sie bei der Aufklärung und bei der (handschriftlichen) Dokumentation und bei der Therapie professionell gewesen, dann wird der Patient mit dem Misserfolg zu ihrem besten Freund!

Der Extraordinarius für Zahnärztliche Implantologie und Oralchirurgie aus München hinterfragte die Sinnhaftigkeit von Implantaten bei organtransplantierten Patienten.

„Ich nehme Sie nun mit auf eine Reise in die experimentelle Chirurgie“ so Deppe, der auf die extrem hohe Keimdichte in der Mundhöhle und die damit verbundene Bakteriämierate nach operativen Eingriffen hinwies. In Deutschland werden täglich ca. 11 Organtransplantationen durchgeführt, hier stehen vor allem Leber und Niere im Vordergrund. Wichtig war der Hinweis Deppes auf die aktualisierten Daten zur Endokarditisprophylaxe. Die Datenlage, ob Implantationen bei solchermaßen betroffenen Patienten möglich sind, oder nicht, ist allerdings bescheiden. Case-Reports, die Deppe, weisen darauf hin, dass die Option zur Implantation besteht, ein wichtiger Schlüssel für den Langzeiterfolg ist dasstrikte Einhalten eines Recall-Systems und eine stringente interdisziplinäre Absprache.

Eine von Höhepunkten gespickte Session – als nächster Redner ergriff Prof. Dr. Anton Sculean (Bern, Schweiz) das Mikrofon und entführte in die Welt der Schnittstelle zwischen Implantologie und Parodontologie; der eidgenössische Parodontologe sprach über innovative Techniken und Materialien zur Deckung multipler Rezessionen.

Das Hauptziel, so Sculean, bei der Rezessionschirurgie ist die 100%-Deckung (bis zur Schmelz-Zement-Grenze). In 88% der Fälle gelingt es, diesem Anspruch gerecht zu werden. Die hier zur Verfügung stehenden OP-Techniken wurden von Sculean ausführlich in bewegten und statischen Bildern dargestellt und erläutert.

Dem zusätzlichen Einsatz von Schmelz-Matrix-Proteinen weist Sculean hohe Wertigkeit zu und beschloss seine Ausführungen mit der Vorstellung und Wertung verschiedener „Replacement Materials“ im Vergleich zu konventionellen Bindegewebstransplantaten. Beide Verfahren funktionieren gut, wobei das klassische Bindegewebstransplantat diskrete Vorteile zeigte.

Aus dem nordbadischen Heidelberg angereist war Professor Dr. Peter Rammelsberg, der über „Effekte simultaner Augmentationsverfahren auf die Implantatprognose“ sprach.

Im Fokus der Ausführungen des Heidelberger Prothetikchefs standen das bone-speading (gleich gute Ergebnisse wie konventionelle Augmentationsverfahren) und der interne sinus-lift (etwas schlechtere Ergebnisse als konventionelle augmentative Verahren).

Dank dieser wenig invasiven Verfahren, so Rammelsberg, können dem Patienten oftmals höher invasive erspart bleiben und dennoch Überlebensraten von 94% erzielt werden.

Eine hochinteressante multizentrische Studie in Deutschen Zahnarztpraxen präsentierte PD. Dr. Torsten Mundt; diese Multicenterstudie (Uni Greifswald und 8 Praxen in Deutschland) wurde über Miniimplanate der Firma 3M-Espe erstellt.

Als Mindestzahl dieser gering dimensionierten Implantate gibt Mundt sechs im Ober- und vier im Unterkiefer an. Mit 94,3% Erfolg im Oberkiefer und 95,7% im Unterkiefer werden ähnlich gute Ergebnisse wie mit konventionellen Implantaten erzielt und dies mit der Option des minimal invasiven Vorgehens! Indes erbrachte die anschließende Diskussion: Dieses System ist nichts für Anfänger, es gehört, vor allem wenn das minimal invasive Vorgehen gewählt wird, in die Hand des versierten Implantologen.

Dem Regenerationseffekt, der sich mit Hyaluronsäure erzielen lässt, widmete Professor Dr. Dr. George Khoury sein Referat; der Hamburger Kieferchirurg entführte das Auditorium in seinem in Art und Form außergewöhnlichen Beitrag in den Bereich der Schnittstelle zwischen Zahnmedizin und Schönheitschirurgie.

Internationales Podium

Was wäre ein DGZI Kongress ohne ein Internationales Podium – richtig: Undenkbar!

Auch in diesem Jahr bestückten namhafte Referenten befreundetet Fachgesellschaften das gut besuchte Internationale Podium des DGZI Jahreskongresses.

Die vornehmlich aus dem arabischen und asiatischen Raum kommenden Referenten widmeten sich hochaktuellen, aber auch hochbrisanten, kontrovers diskutierten Fragen der Implantologie. Ob Laser-Einsatz, 3D-Diagnostik und -planung, ob Sofortbelastung und Risikopatienten – das Internationale Podium bot erneut ein Füllhorn guter Beiträge und Erkenntnisgewinne. Mohamed Moataz Khamis (Ägypten) konnte über die Vorteile der Implantatfreilegung mit einem Er;Cr:YSGG-Laser berichten, mitdessen Hilfe eine gute Weichteilkonturierung bei weitestgehend schmerzfreiemund blutungsfreiem Vorgehen unter Vermeidung von Narben möglich ist.

Professor Suheil Boutros (USA) erzielt mit dem Zimmer-MTX-Implantat, welches eine neues trabekuläres Design aufweist, die Option der Erzielung deutlich verkürzter Behandlungszeiten zu, was für den Patienten, so Boutros, ein echter Benefit bedeute.

Aus dem Libanon berichte Dr. Sami Sade über lebensbedrohliche Blutungen nach Implantationen im vermeintlich „ungefährlichen“ Unterkieferfrontzahngebiet. Sein klare Botschaft: Niemals im anterioren Unterkiefer ohne linguale Lappenbildung implantieren.

Professor Shoji Jyaschi (Japan) konnte anhand eines beeindruckenden Patientengutes von über 1000 nachuntersuchten Implantatpatienten belegen, dass der Einsatz eines Versenkers im Oberkiefer nicht erforderlich ist (die Periotestwerte waren bei beiden Gruppen mit/ ohne Versenker identisch).

Ebenfalls aus Japan kommend konnte Dr. Osamu Yamashita über eine beachtenswerte Senkung deroralen Keimrate um 40 Prozent dank des Einsatzes von HOCL-Lösung berichten.

Dr. Ramy Rezkallah (Ägypten) wies der DVT-Diagnostik in der Implantologie wesentliche Vorteilegegenüber den konventionellen zwei dimensionalen bild gebenden Verfahren zu, wies aber ebenso deutlich darauf hin, dass aufgrund der zweifellos wesentlich höheren Strahlenbelastung immer eine patientenindividuelle Kosten-Nutzen-Abwägung geboten sei.

Prothetik Podium

Mit Zahntechnikermeister Christian Müller zog zum ersten Male ein Nichtzahnarzt in das Vorstandsgremium der ältesten implantologischen Fachgesellschaft Europas ein. Dies entsprach dem ausdrücklichen Wunsche der weiteren Vorstandsmitglieder und dem der Mitgliederversammlung der DGZI im vergangenen Jahr, wird doch der„Schnittstelle Zahntechnik-Zahnmedizin“ seitens unserer Fachgesellschafthöchste Priorität eingeräumt.

Ein weiteres, überaus erfolgreiches Kind dieser erfreulichen Entwicklung ist das Curriculum Implantatprothetik, welches die DGZI in Zusammenarbeit mit der Essener Firma Fundamental anbietet. Über 250 Zahntechniker absolvierten in den vergangen Jahren dieses Curriculum und erwarben die entsprechende Qualifikation.

So oblag es ZTM Christian Müller als eine seiner ersten Aufgaben ein Spezialpodium„Implantatprothetik“ zu organisieren und dieses zusammen mit Professor Dr. Rammelsberg (Heidelberg) als dessen Chairmen zu leiten.

Dem Heidelberger Hochschullehrer Rammelsberg war es indes vorbehalten, auch einen Beitrag zu diesem Prothetik-Podium beizusteuern. Er widmete sich einem kontrovers diskutierten Thema, dem ob die Einbeziehung natürlicher Zähne unter implantatgestützten Brücken oder Prothesen eher als Risiko, oder aber als Beitrag zum Strukturerhalt zu werten sei.

Im Brückenbereich konnte Rammelsberg salomonisch feststellen: „Es funktioniert Beides und zwar bei abnehmbarem und bei festsitzendem Zahnersatz“.

Zunächst verglich Rammelsberg rein implantatgetragene mit Verbundbrücken, beide Formen weisen bei festsitzendem Zahnersatz hervorragende Überlebensraten auf. Allerdings wiesen vollkeramische Restaurationen höher Komplikationen als metallkeramische auf. Der hier oft angetroffenen Chipping-Problematik versucht Rammelsberg mit derVerwendung nicht keramisch verblendeter Vollkeramikrestaurationen zu begegnen.

Bei abnehmbarem Zahnersatz wiesen rein implantagetragene abnehmbare Arbeiten eine leicht geringere Erfolgsrate als kombiniert verankerte. Insgesamt wurde aber auch beim abnehmbaren Zahnersatz für beide Versorgungen geringe Misserfolgsraten auf, wenn dann waren diese vornehmlich im technischen Bereich, hier sind vor allemVerschleißeffekte am Kunststoff zu erwähnen.

Zuvor hatte PD Dr. Andreas Bindl (Schweiz) in einem schönen Übersichtsvortrag die zahlreichen Optionen einer Implantatplanung mittels 3-D-Technologie vorgestellt.

Nicht nur die 3D-Planung standen in der Agenda Bindls, auch die digitale Abformung fand ausführliche Erwähnung. Als „Olymp“ seiner Ausführungen konnte Bindl die virtuelle Zahnersatzplanung darstellen, quasi ein „digitales Backward-Planing“ auf höchstem Niveau. Das Projekt mit einer 3D-Schleifeinheit in der Praxismittels

3D-Planung selbst Bohrschablonen herstellen zu können, stieß auf höchstes Interesse des Auditoriums.

ZTM Tom Lassen, eine beständige Größe in der Deutschen Zahntechnikwelt, sprach über „passivefit“, welches er als eine Grundvoraussetzung für den prothetischen Langzeiterfolg sieht. Der Idealzustand des nahezu spannungsfreien Sitzes, so der in Starnberg tätige Zahntechnikermeister, ist in jedem Falle anzustreben. Jedoch bergen Fehler in der Abformtechnik und in der Modellherstellung die Gefahr der Verhinderung eines solchen idealen spannungsfreien Zustandes. Bei den weiteren zahntechnischen Schritten hingegen sind viele Fragen geklärt; vor allem die Verklebung im Munde hat hier für wertvolle Abhilfe gesorgt. „Dreh – und Angelpunkt ist das sauber hergestellte Modell“ so ZTM Lassen. Er präsentierte eine Abformtechnik mit Platzhaltern über den Abformpfosten; nach Abbinden des Abformmaterials verbleibt der Löffel im Munde, die Platzhalter werden entfernt und der dann resultierende Spalt wird mit Abformmaterial aufgefüllt. Die Modellherstellung erfolgt ebenfalls in der Platzhalter/Entfernung des Platzhalters nach Abbinden des Gipses und Auffüllen des Spalteszum Manipulierimplantat mit Kunststoff. Lohn dieses sehr aufwändigen Verfahrens, so Lassen, ist der Zustand des passive fit.

Auch das frischgebackene DGZI Vorstandsmitglied Christian Müller ließ es sich nicht nehmenselbst zum Mikrofon zu schreiten; der Freiburger Zahntechnikermeister wagte den Blick in die Zukunft und diskutierte ob nun Gießen oder Fräßen eine zukunftsträchtige Technik für implantatprothetische Versorgungen sind. Das Darstellen verschiedener Einflüsse auf gute Gussergebnisse, dies darzustellen war das Anliegen Müllers in der ersten Phase seines Beitrages zum wissenschaftlichen Programm. Sein Fazit: „Es ist eigentlich toll, dass bei den vielen Fehlerquellen das hinterher so gut passt!“ Im zweiten Teil seines Vortragesging der Freiburger Zahntechnikermeister auf zukunftsträchtiger Alternativeneine – die CAD/ CAM Techniken. Diese, so Müller, haben auch die Nichtedelmetalltechnik wieder hoffähig gemacht. Vor allem auch auf die gefräßten Modelle setzt Müller große Hoffnungen; hier sein Fazit: 
„Die Gusstechnik hat uns viele, viele Jahre geholfen, sie hat auch unsere Arbeit gesichert, aber sie beginnt sich zu überholen!“

Auf eine potentielle Schwachstelle in der Implantatprothetik, die allerdings erst in den vergangenen Jahren in den Fokus des Interesses der implantologisch Tätigkeiten gerückt ist, ist die des Abutments. Folgerichtig fragte ZTM Andreas Kunz (Berlin) welche Gestaltung und welches Material für Implantatabutments wohlrichtig sei.

Tröstliche Botschaft Kunzens: „Sie können sowohl Titan, als auch Zirkonoxid vertrauen!“

Besonders seine Ausführungen zur Gestaltung des Emergenzprofils („maximal 2/3 der Gingivahöheradieren“) stießen auf großes Interesse des Auditoriums. Sein Tipp für die Praxis: „Vermeiden Sie unbedingt Druck auf die Weichgewebe!“

Hohe Wertigkeit weist dem unbedingt einzuhaltenden Weg einer provisorischen Versorgung mit späterem individuellem Abformpfosten fürs finale Meistermodell höchsteWertigkeit zu.

Mit einem „Troubleshooting-Update“ warteten ZTM Christian Müller und der Autor dieses Beitrages auf, die an ihre Ausführungen aus dem vergangenen Jahreskongress an zuknüpfen wussten und weitere, neue Fälle implantatprothetischen Troubleshootings präsentierten. Tröstliche Botschaft der beiden Freiburger: Auch bei Fehlentscheidungen/ Komplikationenin Planung oder Umsetzung gibt es dennoch ein Vielzahl von Möglichkeiten, doch noch ein gutes Ergebnis für Patient, Zahnarzt und Zahntechniker zugleich zu erzielen, gott sei dank sind nur wenige Fälle als „gänzlich hoffnungslos“ einzustufen.

Spezialpodium „Periimplantitis: Explantieren oder behandeln?“

Die Spezialpodien der DGZI sind erst seit wenigen Jahreskongressen fester Bestandteil des wissenschaftlichen Programms´, werden aber immer mehr zu einem der Höhepunkte dieser Fortbildungsveranstaltungen. Unter der Moderation von DGZI Präsident Professor Dr. Dr. Frank Palm diskutierten Professor Dr. Herbert Deppe (Lehrstuhlinhaber des einzigen Implantologischen Extraordinariats in Deutschland), Professor Dr. Andrea Mombelli und ein weiterer Parodontologe Professor Dr. Anton Sculean (Bern) über ein höchst unerfreuliches Thema – die Periimplantitis.

Als quasi Einstieg hatte der eidgenössische Parodontologe Mombelli ein Referat über die Epidemiologie der Periimplantitis gehalten, mit „Fakten und Fiktionen“, wie er es nannte. Mombelli stellte fest, dass „vor genau 25 Jahren die Periimplantitis geboren wurde“, hatte doch der Genfer Hochschullehrer 1987 erstmals über das Phänomen Periimplantitis in einer Publikation berichtet. Eine aufwändig durchgeführte Literaturrecherche ergab dass nach 5 bis zehn Jahren 10 Prozent der Implantate bei 20 Prozent der Patienten von einer Periimplantitis betroffen sind.

Die gerade von der Laienpresse oftmals zitierte Zitzmann-Studie konnte durch Mombelli relativiert werden, da hier ein präselektioniertes Patientengut untersucht wurde und Kriterien wie BOP gewertet wurden. „Aber nicht alles was blutet, ist eine Periimplantitis!“, so Mombelli, vielmehr sind hier Nikotinabusus und eine „PARO-Historie“ von entscheidender Bedeutung. Wer in der hochkarätig besetzten Diskussion zwischen den renommierten Hochschullehrern vorsichtiges Abwägen und professorale Zurückhaltung erwartet hatte, der hatte sich getäuscht. Direkt und unverblümt wurde die Diskussion mit offenem Visier geführt: Gleich zu Beginn der Diskussion wurde mit dem Dogma des „Ja-nicht-Sondierens-an-Implantaten!“ aufgeräumt, hier bestand übereinstimmend die Meinung, dass das Sondieren am Implantat ein wichtiges Diagnostikum darstellt. Ebenfalls bestand einhellige Übereinstimmung in der Ansicht, dass es extrem wichtig ist, die Periimplantitisfälle möglich früh zu erkennen und dann auch unverzüglich eine entsprechende Therapie einzuleiten.

Die hier angebotenen „Tests“ zur Abschätzung eines erhöhten Risikos eine Periimplantitiszu entwickeln wurden von den Diskutanten negativ beurteilt, viel wichtiger ist eine gute Anamnese und Beurteilung des individuellen Risikos! „Es ist docheinfältig, zu glauben, dass irgendein Test das individuelle Risiko in einem so hochkomplizierten Organismus bestimmen kann“, so Andrea Mombelli und Anton Sculean ergänzt: „Auch wenn es eine schlechte Nachricht für die Industrie darstellt, so ist doch klar: Diese Tests bringen nichts!“ Die prävalente Periimplantitis-Defektform ist der kraterförmige Defekt, andere Defektsituationen sind Implantatfehlpositionen (zu bukkal) und Knochendefiziten (z.B. schmaler Kamm) geschuldet.

Zur Vermeidungeiner „Zementitis“, die Startpunkt einer Periimplantitis sein kann, kann auf Verschraubung von Suprakonstruktionen zurück gegriffen werden. Die von der Gruppe von Frank Schwarz präferierte Implantatoplastik wurde von den Hamburger Diskutanten kritisch beurteilt, im Falle eines solchen Schweregrades sollte die Explantation erwogen werden.

Die Zukunft wird auch eine „implantatindividuelle“ Beurteilung eine wichtige Rolle spielen.

Corporate Podium

Eine ähnlich lieb gewonnene Tradition wie das Internationale Podium ist das des CorporatePodiums, welches vornehmlich DGZI – Mitgliedern und niedergelassenen Kollegen die Möglichkeit bietet über ihre Erfahrungen und Erkenntnisse zu berichten.

Ergänzt wird dieses Podium auch durch Beiträge aus der Hochschule, an dieser Stelle sei als Beispiel das von Herrn Professor Rother genannt, der über „DVT heute und in der Zukunft“ sprach. Insgesamt widmeten die acht Referenten ihre Beiträge dem Motto des 42. Internationalen Jahreskongresses der DGZI – Nachhaltigkeit und Langzeiterfolg im Sinne einer qualitätsorientierten Implantologie stand im Vordergrund der Referate u. a. über die Themenbereiche Augmentationsverfahren, Ästhetik und Sedierung.

Eines wurde im Rahmen des diesjährigen DGZI-Jahreskongresses überaus deutlich: das Ansinnender ältesten europäischen Fachgesellschaft: Nachhaltigkeit in der Implantologie.

So kann der Tenor des Kongresses quasi auch als Resümee des gesamten 42. Internationalen Jahreskongress der DGZI gelten – die Fachgesellschaft ist gut aufgestellt, stellt sich den aktuellen und künftigen Aufgaben der Implantologie und übernimmt Verantwortung in Ausbildung der Kollegen „Fokus: niedergelassenePraxis“ und für Patienten „Fokus: Information“.

Autor & Korrespondenzadresse:
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Publikationen

Implantologie Journal

implants (english)

Kongresse

3. Zukunftskongress für die zahnärztliche Implantologie/Visions in implantology
3. Zukunftskongress für die zahnärztliche Implantologie/Visions in implantology