Nachruf Prof. h.c. Dr. Egon Brinkmann, Oldenburg

In unserer Erinnerung verbinden wir Implantologen den Namen Egon Brinkmann mit hoher Reputation, zeitkritischem Geist, unermüdlicher Gestaltung, Integrationsfigur aller Implantologen und der Gründung des BdiZ. – Wir Älteren sehen ihn vor uns, wie er uns mit leicht schluffendem Gang und stets ein Bündel Papiere unter dem Arm bei den multiplen Veranstaltungen begegnete. – Wenngleich die Begegnungen mit ihm in den letzten Jahren immer seltener wurden, sind wir von seinem Tod am 2. November 2009 tief betroffen.

Am 8.November 1919 geboren, wuchs Egon Brinkmann in einer Oldenburger Zahnarztfamilie auf. Sein Großvater fertigte bereits Kautschukprothesen an. Seine Eltern und Großeltern waren als Dentisten in Oldenburg tätig. Zusammen mit seinem Bru-der trat er 1952 in die väterliche Praxis ein. In Anlehnung an ähnliche Positionen seiner Vorgänger widmete er sich den standespolitischen Belangen und wurde Mitglied der Kammer- und Vertreterversammlung in Niedersachsen. Die Praxis wird heute von seinem Sohn Detlev in vierter Generation weitergeführt.

Ab 1969 wandte er sich der zahnärztlichen Implantologie zu, die sein zukünftiges Berufsleben prägen sollte. Wie die anderen Pioniere der zahnärztlichen Implantologie war er begeistert, dass der inserierte Fremdkörper entgegen der damals offiziellen Auffassung nicht vom Körper abgestoßen wurde.
In über 70 Kursen und Seminaren hat er Kollegen aus Praxis und Hochschule mit der ständig fortschreitenden Entwicklung der zahnärztlichen Implantologie vertraut gemacht. Von ihm stammen mehrere Standardwerke der zahnärztlichen Implantologie und seine Verdienste wurden gewürdigt durch Ehrenmitgliedschaften in nationalen und internationalen Verbänden. Die Ehrenmitgliedschaft der DGZI wurde ihm angetragen, weil er sich insbesondere für die Belange der niedergelassenen Praktiker einsetzte. Nach dem Lehrauftrag an der Universität San Carlos, Guatemala erhielt er die Ernennung zum „Professor Honorio“.

Im Jahre 1991 hielt Egon Brinkmann Rückschau und begründete seine vielfältigen Aktivitäten: „Die Entwicklung der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland rief [in den 80ern des 20. Jahrhunderts] den Unmut vieler niedergelassener implantologisch tätiger Kolleginnen und Kollegen hervor.“ „Die zahnärztliche Implantologie, die seit 1982 wissenschaftlich anerkannt ist und 1988 in die amtliche Gebührenordnung GOZ 88 aufgenommen wurde, wird noch immer von einigen Kostenträgern als unausgereiftes Verfahren eingestuft. Den implantologisch tätigen Kolleginnen und Kollegen und den Versicherten werden durch völlig unberechtigte Forderungen nach ‘medizinischen Begründungen‘ oder ‚medizinischer Notwendigkeit‘ Erschwernisse in den Weg gelegt, die nicht nur das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Behandler stören, sondern denen darüberhinaus nach Veröffentlichung des [zweiten] Konsenspapiers vom 23. Januar 1991 jede formale Grundlage fehlt.“

Er kritisierte auch Aussagen, die innerhalb der implantologisch engagierten Kollegenschaft publiziert wurden: So hatte er gehofft, dass der 1982 ins Leben gerufene Arbeitskreis Implantologie der DGZMK als „Dachorganisation möglichst vielen implantologischen Gruppen eine Heimstatt bieten“ würde. „Bedauerlicherweise ist diese Chance in denkbar kurzer Zeit verspielt worden. Indem sich der Leiter des Arbeitskreises sehr einseitig zu einem bestimmten System bekannte, dies auch öffentlich bekundete und keinerlei Rücksicht auf die notwendige neutrale und verantwortungsvolle Haltung des Leiters eines Arbeitskreises der DGZMK nahm.“ Daher versagte er – wie viele andere Niedergelassene – die Anerkennung des [ersten] Konsenspapiers vom 18. Oktober 1989.

Auch „einseitige Betrachtungsweisen über implantologische Verfahren, ausgelöst durch einige Hochschulen und unter industriellem Interessenseinfluss, führten zu sehr unerfreulichen Begleiterscheinungen und spalteten die Implantologen in verschiedene Lager.“ Hier zielte er u.a. auf ein vom Land Baden-Württemberg gefördertes Forschungsprogramm, das das negative Ergebnis des Tübinger-Sofort-Implantates erst publizierte, nachdem die Gelder verbraucht waren.

Für seine vielfältigen Anliegen benötigte Brinkmann ein Podium mit Gleichgesinnten. Er gründete den „Berufsverband der niedergelassenen implantologisch tätigen Zahnärzte in Deutschland e.V.“ (BdiZ). Geschickt nannte er seine neue Institution nicht wissenschaftliche Gesellschaft, um den bestehenden wissenschaftlichen Fachgesellschaften nicht als Konkurrenz sondern als ergänzende Komponente zu begegnen, wenngleich auch wissenschaftliche Aussagen in seinem Programm standen. So war es möglich, dass der BdiZ in kürzester Zeit auf hohe Mitgliederzahlen heranwuchs und nicht nur bei den etablierten Fachgesellschaften (DGZI, AGI, GOI) sondern auch bei den Kammern und sogar – wenn auch zeitversetzt – bei den Kostenträgern Anerkennung fand.

Dank seiner außerordentlichen Begabung für das Erkennen und die Darstellung von Formalien kreierte er die Indikationsklassen nach Brinkmann, gliederte implantologische Prozessabläufe, installierte den Qualifikations- und Registerausschuss, befasste sich mit der Auslegung der Gebührenordnung und formulierte für Gutachtergremien Richtlinien. Wegweisend waren seine Statements vor Gerichten, wie „Ein Implantat kann, aber muss nicht einheilen“. Ein weiteres Vermächtnis für die Nachfolgegenerationen ist das Buch „Geschichte der zahnärztlichen Implantologie in Deutschland“, das er zusammen mit seiner Tochter Anke verfasste und im eigenen „Anke-Verlag“ herausgab.

Lieber Egon Brinkmann, Du warst für uns eine väterliche Leitfigur, die sich – wie kein anderer – für uns über viele Jahre eingesetzt hat. Wenn wir unseren Dank vielleicht nicht oft genug gezeigt haben sollten, so sei er an dieser Stelle und im Namen der DGZI nochmals ausgesprochen.

Namens Deiner Wegbegleiter und der DGZI

Bernhard Hölscher

Internationale Partner der DGZI

  ISOI
International Society of Implantology
AAID
American Academy of Implant Dentistry
FDCU
Faculty of Dentistry - Cairo University
AO
Academy of Osseointegration
GIGIP
Gesellschaft für Implantologie und Gewebeintegrierte Prothetik
IAUSI
International Academy for Ultrasonic Surgery and Implantology
APPDU
Charkow (Ukraine)
GLPD
Georgian League of Implantology Professional Development
SOIA
Sudanese Oral Implantology Association Universität Agadir, Marokko

Publikationen

Implantologie Journal

implants (english)

Kongresse

3. Zukunftskongress für die zahnärztliche Implantologie/Visions in implantology
3. Zukunftskongress für die zahnärztliche Implantologie/Visions in implantology